Biegels Blog

Liebe Mitglieder und Freunde des Vereins Rettung Schloß Blankenburg,

im vergangenen Jahr mußte ich zwangsläufig meine Vortragsreihe abbrechen und wollte diese mit der Saisoneröffnung am heutigen Tag wieder aufnehmen. Nun sind es andere Faktoren, die dieses unmöglich machen, ja das Große Schloß ist bekanntlich bis auf Weiteres für den Besucherverkehr geschlossen.

Viele haben nachgefragt und deshalb habe ich mich entschieden, meine Vorträge in einzelnen Folgen aufgeteilt, Woche für Woche, über unsere Webseite des Vereins zu veröffentlichen.

Mit den besten Wünschen
Ihr Gerd Biegel

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel ist Präsident des Vereins Rettung Schloss Blankenburg e.V. und Gründungsdirektor des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung der TU Braunschweig

Professor Biegel
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel
Foto: Stadt Wolfsburg

Die gelegentlichen Besuche aus Wien und Petersburg infolge der Verheiratung von Ludwig Rudolfs Töchtern Elisabeth Christine mit dem späteren Kaiser Karl VI. im Jahre 1708, und Charlotte Christine Sophie mit Alexei, dem Sohn Peters des Großen 1711, zählten zu den Höhepunkten der Blankenburger Residenz. So darf als sicher angenommen werden, daß auch die Tochter des Kaiserpaares, Maria Theresia, als Kind gelegentlich in Blankenburg weilte, das zu diesem Zeitpunkt seine glanzvollste Entfaltung erlebte.

Im Jahr 1831 unternahm der sechsundzwanzigjährige Dichter Hans Christian Andersen (1805-1875) eine Reise durch Deutschland. Seine Stationen waren neben Lübeck, Hamburg, Dresden, Leipzig und Berlin auch Braunschweig und Blankenburg. Es war seine erste Reise, die ihn über Dänemark hinaus ins Ausland führte.

WELFENSEMINAR AM 18.4.2020:
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
unser heutiges Thema widmet sich den wirtschaftlichen Entwicklungen des Braunschweiger Landes im Zuge der Industrialisierung. Damit waren wichtige wirtschaftliche und politische Gegebenheiten verbunden, um die dringend notwendigen Reformen des Collegium Carolinum in Gang zu setzen. Die wichtigsten Entwicklungen haben wir ja bereits beim letzten Mal kennengelernt, nun geht es darum die Voraussetzungen zu betrachten, die schließlich den Weg zur Technischen Hochschule ermöglicht haben, auch wenn es dabei noch manche politische Schwierigkeit und Irrationalität zu überwinden galt.

Als im Jahre 1599 das Geschlecht der Grafen von Blankenburg ausstarb, ging die Grafschaft an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel über. Die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel haben sich das dortige Renaissance- Schloß eingerichtet und seit 1690 als Residenz genutzt. 1690 wurde Blankenburg an Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig und Lüneburg (1671 – 1735) als Residenz übertragen, und zwar durch seinen Vater Herzog Anton Ulrich. Herzog Ludwig Rudolf (1671 – 1735), Anton Ulrichs zweitältester Sohn, und der bekannte Braunschweiger Landbaumeister Hermann Korb bauten in den Jahren 1705 bis 1718 – in Form einer weiträumigen barocken Mehrflügelanlage – das jetzige Anwesen, nachdem zuvor das alte Renaissance- Schloß überwiegend abgerissen worden war.

Karl von Este, Herzog von Blankenburg, genießt 1866 gerade sein von Richard Wagner (1813-1883) dirigiertes Geburtstagskonzert, da fallen die Preußen in seine Residenz ein. Während die Festgesellschaft sich panikartig auflöst und »ein Strom von Wagen die Straße nach Blankenburg füllte«, lässt der Herzog in einem seiner Salons seiner Wut freien Lauf: »Der Zorn erstickte ihn und schnürte ihm die Kehle zu. Die Preußen, die Preußen im Herzogtum ...! Und fast schäumend vor Wut wetterte er gegen seinen Bruder, diesen Hinterhältigen, diesen Feigling, diesen Heuchler und was er noch für zum Erröten bringende Verwünschungen parat hatte«.

Liebe Geschichtsfreunde,
alle Jahre wieder, so hatte ich regelmäßig vor Ostern oder Anfang April meine kleine aktuelle Aussendung zum Thema Spargel eingeführt, denn dieses Gemüse und seine Ernte stellen eine besondere Tradition der Landwirtschaft und der braunschweigischen kulinarischen Freuden dar, wobei der braunschweigische Spargel seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit über regionale Grenzen hinaus bekannt und berühmt war, wie sie andeutungsweise auch im anhängenden Spargelbeitrag ersehen können.

WELFENSEMINAR AM 4.4.2020:
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Welfenseminars,
unser heutiges Thema widmet sich den ersten grundlegenden Veränderungen des Collegium Carolinum in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Reformen waren insgesamt im Deutschen Reich angesagt, vor allem nach der Gründung Polytechnischer Institute in Paris, Wien, Prag und Berlin. Die Möglichkeiten in Braunschweig waren gegeben, da in der Nachfolge des despotischen Herzogs Karls II. seit 1831 sein Bruder Herzog Wilhelm im Herzogtum Braunschweig regierte, der dem Bildungswesen sehr viel liberaler gegenüberstand und zugleich an einer Verbesserung des Gewerbes interessiert war. So standen die Zeichen also auf Neuerung und Zukunft.

Im Zuge der dynastischen Politik des Braunschweiger Hofes hatte Herzog Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg die Verbindungen auch zum russischen Zarenhof genutzt, nicht nur zur Steigerung des Ansehens Wolfenbüttels beizutragen, sondern zur politischen Unterstützung beim Kampf gegen Hannover um die Führungsrolle im Welfenhaus. Als Partner Rußland wollte er eine selbständige Rolle im Konzert der europäischen Großmächte spielen. Dazu setzte er seine einzige wirkungsvolle »Waffe« ein, die Heiratspolitik. Die Kinder des Welfenhauses wurden dabei zu »Figuren im großen Schachspiel Europas« und im Interesse der Staatsräson teilweise auch gegen deren Willen verheiratet.

WELFENSEMINAR AM 28.3.2020:
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
unser heutiges Thema widmet sich den politischen Entwicklungen des Braunschweiger Landes nach dem Wiener Kongreß und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es waren unruhige Zeiten, die heute als Zwischenerzählung zu den zukünftigen Reformen des Collegium Carolinum näher betrachtet werden sollen, denn gerade diese Revolutionen waren wichtige politische Gegebenheiten, um die notwendigen Revolutionen des Collegium Carolinum zu realisieren. Sollten sich Fragen ergeben, so wenden Sie sich bitte wie bisher auch schon per mail an uns.

Braunschweigische Landesgeschichte ist vielfältig und interessant, zumal sie in allen Epochen verknüpft war in deutsche, europäische, ja weltgeschichtliche Netzwerke. Aus unserer Arbeit am Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung der TU Braunschweig über die internationalen Beziehungen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel und Blankenburg in der neueren Geschichte möchte ich Ihnen heute den Einstieg in eine interessante Phase der europäischen Geschichte am Beispiel der Beziehungen Braunschweigs zum Zarenhof in Rußland und dem Kaiserhof in Wien erzählen, bei der Blankenburg schließlich in mehrfacher Hinsicht eine zentrale Rolle spielte.

Für die territoriale Machtausübung kann man Burg Blankenburg als symbolträchtigen »Geschichtsort« sehen. Kaiser Lothar III., hatte diese Anlage als Hausgut im Besitz und an einen Verwandten aus dem Grafengeschlecht von Blankenburg-Regenstein weitergegeben. Unter Graf Ullrich V. wurde die Reformation 1532 eingeführt, und als dieser sich von der katholischen Kirche lossagte, gab es 1546 eine gruasame Gegenreaktion.

Man kann dem Großen Schloß in Blankenburg nicht entkommen: Wo immer man sich in der Stadt aufhält, den Kopf hebt und nach Süden schaut, erblickt man die mächtige Barockanlage auf dem Blankenstein, von wo aus schon der sächsische Kaiser Lothar III. (1075-1137), ein Herrscher aus unserer Region, den Blick weit ins Land schweifen lassen konnte. »Ohne das Große Schloß ist Blankenburg nicht mehr das Blankenburg, das als Perle des ehemals braunschweigischen Vorharzlandes weit über die Region hinaus bekannt war und ist und ebenso seine historische und touristische Bedeutung für Geschichte und Tradition auch des Braunschweiger Landes besitzt«. Daher sind folgerichtig das Schloß und sein Verein Rettung Schloß Blankenburg e.V., Träger des nationalen Denkmalschutzpreises 2014, auch Förderprojekt der SBK.

»Herr Doktor, wenn ich Ihre zwei Bücher vom Untergang des Abendlandes heute herausgeben dürfte, so hätte ich ein Motto gewußt, das ich gern darüber gesetzt hätte. Spengler fragte: Welches. Ich antwortete ihm: Jesaja 40: Alles Fleisch ist wie Gras und all seine Güte wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret, und die Blume ist abgefallen. -Denn in diesem Prophetenwort ist bereits der Grundgedanken ihrer Kulturschau wiedergegeben, daß nämlich eben alles Leben wie das der Pflanze ist, seine Zeiten hat - Frühling, Sommer, Herbst und Winter - und zugrunde geht, wenn es im Winterstadium angelangt ist.« So berichtete der frühere evangelische Landesbischof von Hamburg, Schöffel, 1942 über ein Gespräch, das er mit Oswald Spengler geführt hatte. Meist wird Spengler im Zusammenhang mit seinem Hauptwerk »Untergang des Abendlandes« genannt, kaum jemand kennt ihn als berühmtesten Blankenburger.

Es war ein unruhiges Jahrhundert, in das die Eröffnung des Lehrbetriebs am Collegium Carolinum am 5. Juli 1745 fiel. Die Aufklärung setzte die Zeichen der Zeit, und das Collegium Carolinum gehörte dazu. Jedoch nicht alleine, denn alle Bereiche des öffentlichen und des privaten Lebens befanden sich in Europa im Umbruch. Diese Epoche des Umbruchs führte zum Ende der Alten Welt und schuf gleichzeitig die Grundlagen der Moderne.

Die Diskussionen um Existenz und Ausbau, Krise und Neustrukturierung, aber auch eine phasenweise positive äußere Entwicklung des Collegium Carolinum, fielen in eine Zeit grundlegender Veränderungen Europas in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel war davon entscheidend berührt, ja zeitweise unmittelbar in die Veränderungsprozesse eingebunden. Noch regierte Herzog Carl I. ohne Rücksichtnahme auf die wirtschaftlichen Folgen seiner Entscheidungen und Vorlieben, die Vorzeichen der Veränderungen waren jedoch nicht mehr zu übersehen. Überschuldung des Staatshaushaltes durch eine wenig erfolgreiche Wirtschaftspolitik, hohe Aufwendungen für scheinbare Reformen und Militär, dies konnte unter normalen Umständen das kleine Fürstentum nicht mehr verkraften. Zunächst jedoch verdrängten manche Entscheidungen bzw. Ereignisse noch die dunklen Wolken.